„War’s das jetzt?“

Eine Übung für Klarheit und Orientierung

Dein Alltag läuft, du funktionierst, erledigst, kümmerst dich – aber irgendwo in dir wächst das Gefühl: Irgendetwas fehlt.

Vielleicht fragst du dich: War’s das jetzt? Ist das Alles? Möchte ich, dass es so immer weiter geht? Bin ich auf dem richtigen Weg?

Oder: Was würde mich wirklich erfüllen? 

Wenn Du spürst, dass du mehr suchst als Struktur und To-do-Listen, dass es du den Wunsch nach etwas tiefer liegenden  Orientierung hast, dann kann dir eine kleine, kraftvolle Übung neue Klarheit geben. Sie öffnet den Blick dafür, was dir wirklich wichtig ist und welche Art von Leben du führen möchtest – jenseits von Erwartungen, Rollenzuschreibungen und äußeren Ansprüchen.

Diese Übung ist einfach, aber tiefgehend. Und sie hilft dir, wieder in Kontakt mit deinem inneren Kompass zu kommen.

 

Stell dir vor, jemand hält eine Rede auf dich

Stell dir vor, es ist dein 90. Geburtstag.
 du sitzt umringt von deinen Lieben: Freund:innen, Familie, Wegbegleiter:innen, vielleicht auch Menschen, die du inspiriert oder begleitet hast. Jemand erhebt sich und beginnt, eine Rede auf dich zu halten.

Und jetzt stell dir vor: Was wünschst Du Dir, dass diese Person über dich sagt?


Was soll sie erzählen über dein Leben, deinen Weg, deinen Umgang mit anderen?

Was möchtest du über dich selbst denken und fühlen, wenn du zurückblickst?

Welche Spuren möchtest du hinterlassen, in Beziehungen, in deiner Arbeit, in der Art, wie du gelebt hast?

Nimm dir Zeit, diesen inneren Moment lebendig werden zu lassen. Schreib auf, was du hören möchtest. Es geht nicht darum, wie realistisch es ist – sondern darum, wie es sich richtig anfühlen würde. Und was dich tief im Inneren berührt.
Wenn du beginnst, die Worte dieser imaginären Rede in dir klingen zu lassen, entsteht ein klares Wissen.
 Es zeigt dir, welche Werte dein Leben tragen sollen. 
Welche Spuren du hinterlassen möchtest.
 Was dich ausmacht – jenseits von Leistung, Anpassung und äußeren Rollenbildern.

So gehst du vor

Nimm dir etwa 30 Minuten Zeit. Schaffe dir einen Ort, an dem du dich sicher und ungestört fühlst. Ein Notizbuch, vielleicht ein warmer Tee – und dann:

    • Lass ein Bild entstehen. Du bist 90 Jahre alt. Du blickst auf dein Leben zurück. Menschen, die dir wichtig sind, feiern mit dir.
    • Wähle eine Person. Wer hält die Rede? Eine Freundin? Dein Kind? Jemand, der dich auf deinem Weg begleitet hat? Wessen Worte würdest du wirklich hören wollen?
    • Stell dir die Rede Wort für Wort vor, die du dir wünschst. Nicht die, von der du glaubst, sie sei realistisch – sondern die, die die du dir wünschst, die dich berührt.
    • Schreib mit. Notiere, was die Person sagt, ohne zu bewerten oder zu planen.
    • Lies nach und spüre. Welche Sätze lösen Freude, Dankbarkeit oder Wehmut aus? Wo spürst du Resonanz, wo Spannung?

Diese Fantasie und die Reflexion können dir helfen, einen klaren Blick auf das zu bekommen, was du in deinem Leben verkörpern möchtest – was für dich stimmig ist, anstelle dessen, was die Welt von dir erwartet.

Willst du noch tiefer eintauchen?

Dann lass dich von diesen Fragen leiten

    • Welche Formen von Care, Unterstützung, Solidarität hast du gelebt oder angestoßen?
    • Welche Freiheiten hast du dir geschaffen – und gegen welche gesellschaftlichen Erwartungen bist Du vielleicht aufgestanden?
    • Wo hast du dich liebevoll um Dich selbst gekümmert, auch wenn Selbstfürsorge nicht „belohnt“ wurde?
    • Wie bist du mit Macht, Verantwortung oder Ungleichheit umgegangen – in Beziehungen, in Arbeit, in Entscheidungen?
    • Wie hast du für dich und andere Räume geöffnet, in denen Verletzlichkeit, Freude und Entwicklung Platz fanden?
    • In welcher Welt möchtest du, dass dein Wirken Spuren hinterlässt – für die nächste Generation, für deine Töchter, für andere Frauen?

Mit diesen Fragen öffnet sich die Übung von der persönlichen Reflexion hin zu einer politischen Dimension: Sie erinnert dich daran, dass dein Leben immer auch Teil eines größeren Gewebes ist, das entsteht, wenn Menschen sich selbst ernst nehmen, einander zuhören und neue Wege gestalten.

Stuhl auf Wiese

Was diese Rede dir zeigt

Wenn du deine Worte liest, wirst du spüren: Es zeichnet sich ein innerer Fixstern ab.
 Er zeigt dir nicht nur, was du willst, sondern auch wer du bist, wenn du im Einklang mit dir und dienen Werten lebst.
Dieses Wissen ist nicht deine nächste To-do-Liste. Es ist eine Einladung zu Orientierung.

Wenn du später Entscheidungen triffst – beruflich, familiär, privat – kannst du dich fragen: Führt mich das, was ich jetzt tue, näher zu dieser Version meines Lebens? Oder entfernt es mich davon?

So wird aus einer inneren Fantasie eine Art Kompass – im Sinne beständigen Orientierung an dem, was wirklich zählt.

Schritt zwei:

Nimm dein eigenes Wort ernst.
Was heißt das für mein jetziges Leben?

Mach nach dem Schreiben eine Pause – geh raus, schlaf eine Nacht drüber.
 Komm am nächsten Tag zu deinem Text zurück. Lies ihn erneut, diesmal mit der Frage:

Was heißt das für mein jetziges Leben?
Wo lebe ich bereits so, wie ich es mir wünsche?
Wo spüre ich, dass ich mich zu weit von mir entfernt habe?
Welche Richtung möchte ich jetzt einschlagen?

Dann werde konkret:

1. Drei kleine Schritte – was kannst du in den nächsten Tagen oder Wochen tun, um dich dieser Version von dir anzunähern?
2. Drei langfristige Schritte – welche Entscheidungen oder Veränderungen möchtest du in Zukunft angehen, damit dein Leben stimmiger wird?

Schreib sie auf. Halte sie sichtbar. Nicht als Druck, sondern als liebevolle Erinnerung an Deinen inneren Kompass.

 

Ein kleiner Nachklang

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie realistisch diese Vision ist. Ob sie sich „machen“ lässt.
Doch das ist nicht der Punkt dieser Übung.
  Sie will dich nicht motivieren, etwas zu leisten, sondern sichtbar machen, was in dir da ist und ruft.
Wenn du dich mit dieser Zukunftsversion verbindest, wird etwas in Bewegung kommen – leise, aber spürbar. Du beginnst, im Heute kleine Entscheidungen so zu treffen, dass sie mit Deiner gewünschten Rede übereinstimmen. Nicht aus Druck, sondern aus Stimmigkeit.

Du bist nicht Objekt deiner Geschichte – Du bist ihre Erzählerin.

 

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