und was dahinter steckt

„Das ist überhaupt nicht mehr aktuell“, sagte meine Klientin neulich ganz trocken, nachdem wir herausgearbeitet hatten, aus welcher Zeitschicht – aus welcher Epoche ihres Lebens – ein tiefsitzender Glaubenssatz stammt.

Und doch war er bis heute wirksam.

Mit solchen Glaubenssätzen, die uns im Weg stehen, die uns klein halten oder zurückschrecken lassen vor Neuem, haben viele von uns zu tun. Das ist frustrierend – und besonders gemein ist, dass sich diese inneren Überzeugungen oft wie Wahrheiten anfühlen. Unumstößliche Wahrheiten vielleicht sogar.

Glaubens­sätze sind keine Wahrheiten

Ein erster Schritt, um einschränkende Glaubenssätze zu verändern, ist, wahrzunehmen und zu verinnerlichen: Es sind keine Wahrheiten. Es sind Meinungen – Überzeugungen.

Diese Überzeugungen entstehen meist als Reaktion auf Erfahrungen in der Kindheit, Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Aus Situationen, in denen wir uns hilflos oder verletzt fühlten, haben wir Schlussfolgerungen gezogen:
 Wenn jemand das und das zu mir sagt, dann bin ich wohl nicht gut genug. Oder: Ich bin es nicht wert, beachtet zu werden. Oder: Ich bin nicht wichtig.

Oft bilden diese Sätze die Grundlage für eine – aus damaliger Sicht – sinnvolle Überlebensstrategie. Das zugrunde liegende Verhalten sollte uns schützen: davor, erneut in eine schmerzhafte Erfahrung zu geraten.
Wenn ich ohnehin glaube, es nicht wert zu sein beachtet zu werden, bringe ich mich gar nicht erst in Situationen, in denen ich dieses schmerzhafte Gefühl erleben müsste. Ich ziehe mich zurück, zeige mich nicht. So entsteht ein Verhalten, das mich einschränkt, aber auch schützt.

 

Häuserwand mit Schild: "How are you really?"

Alte Schutz­strategien erkennen

Als Kind kann das klug und hilfreich sein. Doch oft behalten wir dieses Verhalten und die dazugehörigen Überzeugungen bei, auch wenn sich unser Alter, unsere Erfahrungen und Lebensumstände längst verändert haben. Diese alten Glaubenssätze begleiten uns weiterhin – häufig unbewusst. Wir nehmen sie als gegeben hin – als Wahrheit, als Ausgangspunkt.

Und wir leben mit dieser Einschränkung – bis wir an den Punkt kommen, an dem wir diesen Preis nicht mehr zahlen wollen. Wenn die Unzufriedenheit mit unserem Verhalten überhandnimmt, wächst der Wunsch nach Veränderung.

Dann kann es sehr erleichternd sein, die Struktur und den Ursprung dieser Glaubenssätze aufzudecken. Nach und nach entblättert sich das Konstrukt: die Motivation, der Zweck, die Funktion dieser Überzeugung.
Und manchmal merken wir dann: Das ist überhaupt nicht mehr meinem Leben angemessen!
 Und Teile von uns wissen das längst.

Ein Schritt in Richtung Selbst­wirksamkeit

Damit verschwindet ein Glaubenssatz zwar nicht von heute auf morgen – dafür haben wir ihn zu lange eingeübt –, aber wir haben einen entscheidenden Schritt getan: Wir haben ihn sichtbar und damit ein Stück weit handabbarer gemacht.

Jetzt können wir beginnen, bewusst mit unseren Glaubenssätzen umzugehen. Aus der Position der inneren Beobachterin erkennen wir, wann alte Muster anspringen. Wir können den Moment zwischen Reiz und Reaktion nutzen, um etwas Neues auszuprobieren, anstatt automatisch zu reagieren. Wir können das alte Muster und die Überzeugung innerlich in ihre Schranken weisen, zuordnen, wo sie herkommen – und prüfen, ob sie in der aktuellen Situation überhaupt noch passen oder stimmig sind.

Indem wir unsere Glaubenssätze sichtbar machen, holen wir ein Stück Selbstbestimmung zurück. Wir erkennen, was uns einst schützen sollte – und können lernen anders zu handeln.
 So entstehen Bewegung, Spielräume und Selbstwirksamkeit. 

 

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