Zwischen Kopf und Körperwissen
Eines der meistgefragten Themen im Coaching ist:
Wie kann ich gute Entscheidungen treffen?
Das können Entscheidungen über die eigene Zeit sein, über berufliche Neuausrichtungen, darüber, wie wir uns als Familie organisieren oder, oder, oder…
Oft beginnen wir mit Pro- und Contra-Listen, mit gedanklichem Abwägen und Analysieren – und all das ist wichtig. Diese Überlegungen liefern wertvolle Informationen. Doch manchmal führt das viele Grübeln trotzdem zu keiner Entscheidung, zu keiner Klarheit. Es ist möglich, für jede Option zu argumentieren – beides hat Vor- und Nachteile, und der Kopf kann beides plausibel begründen.
Dann taucht oft eine weitere Ebene auf: Was erwarten andere von mir? Was denken sie über mich, wenn ich mich so oder so entscheide?
Dabei gerät manchmal in den Hintergrund, was ich selbst eigentlich will. Oder der Zugang dazu scheint verschüttet – als wäre gar nicht spürbar, was mein eigener Wunsch ist.
An dieser Stelle wird deutlich: Der Kopf allein kann solche Fragen nicht lösen und das muss er auch gar nicht. Denn unser Körper trägt Wissen in sich – gespeicherte Erfahrungen, kleine und große Erlebnisse, die eine Art inneres Archiv bilden.
Dieses körperliche Wissen ist nicht immer direkt zugänglich, aber es zeigt sich in Form von Empfindungen, Stimmungen, spontanen Reaktionen. Und genau diese Ebene kann uns beim Entscheidungen fällen unterstützen.
Entscheidungen mit Körperwissen treffen
Manchmal hast du vielleicht schon ein klares Bauchgefühl, das in eine Richtung weist – das du dann aber wegschiebst, weil rationale Argumente dagegen sprechen.
Erlaube dir, dieses Bauchgefühl wahrzunehmen. Nicht, um es sofort zur alleinigen Entscheidungsinstanz zu machen, sondern um es als weitere Informationsquelle zu nutzen.
Du kannst, auch wenn das etwas ungewohnt sein mag, das Gefühl in deinem Körper lokalisieren und dann Fragen direkt an das Gefühl richten:
Was willst du mir mitteilen? Wovor möchtest du mich schützen oder warnen?
Ist das Gefühl mit einer früheren Erfahrung verknüpft – und ist diese Situation wirklich vergleichbar mit der jetzigen?
Lass dich überraschen, was auf diesem Wege Neues zutage treten möchte.
Wenn du noch tiefer in dein körperliches Wissen eintauchen möchtest, kannst du die folgende Übung ausprobieren.
Entscheidungsstühle – eine Übung zum Spüren und Klären
Mit dieser Übung versetzt du dich in die Situation, als hättest du die Entscheidung bereits getroffen und richtetest deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper und die verbundenen Empfindungen.
Schritt 1
Überlege genau welche Szenarien zur Entscheidung stehten. Nimm dir für jede Option einen Zettel und schreibe auf, was auf diese Entscheidung folgen würde.
Zum Beispiel:
Option 1: Ich nehme den Job in der anderen Stadt an. Ich gebe meine Wohnung auf, ziehe um, lerne ein neues Team kennen, lebe für eine Zeit lang eine Fernbeziehung. Ich lege mit diesem Job den Grundstein, um später in meiner Stadt bessere Chancen zu haben.
Option 2: Ich lehne den Job ab. Ich suche weiter nach Ausschreibungen, bleibe in meinem vertrauten Umfeld, lebe mit meiner Beziehung in derselben Stadt.
Option 3: Ich nehme den Job an – und wir ziehen gemeinsam in die neue Stadt. Ich übernehme zunächst die finanzielle Verantwortung, bis mein Partner oder meine Partnerin etwas Neues gefunden hat.
Male die Szenarien für dich aus und denke sie wo weit, wie es dir wichtig erscheint ohne dich in Pros und Contras zu verlieren.
Schritt 2
Stell so viele Stühle auf, wie du Optionen hast und lege je einen Zettel auf einen Stuhl. Dann stelle dich vor die Stühle und schaue, wo es dich zuerst hinzieht.
Setze dich auf den ersten Stuhl, stell dir vor, du hättest diese Entscheidung bereits getroffen und würdest jetzt so leben. Nimm dir einen Moment, um diese Vorstellung innerlich ganz lebendig zu machen: Wie fühlt sich das an? Welche Bilder tauchen auf?
Dann richte deine Aufmerksamkeit nach innen:
Welche Empfindungen zeigen sich im Körper? Gibt es Druck oder Weite? Wärme oder Kälte? Kribbeln, Freude, Spannung, Schwere? Vielleicht auch etwas ganz Leises?
Versuche nicht zu bewerten, sondern einfach wahrzunehmen und für dich zu beschreiben, was du fühlst.
Wenn du das Gefühl hast, alles wahrgenommen zu haben, stehe auf, schüttle dich kurz aus, tue, was dir gerade guttut – und wende dich dann der nächsten Option zu.
Gehe genauso vor wie beim ersten Stuhl: Stelle dir vor, du hättest diese Entscheidung bereits getroffen, und fühle, wie dein Körper darauf reagiert.
Wenn Kopf und Körper gemeinsam entscheiden
Wenn du alle Optionen so durchgespürt hast, besitzt du viel mehr Informationen, als dein Kopf dir allein hätte geben können.
Vielleicht hast du nun schon ein klares Gefühl, vielleicht ergibt sich ein stimmiges Bild erst später – beides ist gut. Denn die Informationen, die dein Körper dir gibt, beruhen auf deinen Erfahrungen, auf gelebtem Wissen. Indem du sie mit den rationalen Überlegungen verbindest, entsteht eine umfassendere, ganzheitliche Entscheidungsweise – eine, die nicht nur „richtig“, sondern stimmig ist.
Du kannst diese Übung sehr gut alleine machen und viel daraus ziehen.
Und wenn du dir Begleitung wünschst für diese oder andere Formen der Entscheidungsfindung, dann melde dich gerne bei mir für ein unverbindliches Vorgespräch!